Nachrichtenarchiv
Das Handwerk trotzt der Krise
03.02.2009 15:44:00
„Der Mittelstand und das mittelständische Handwerk sind eine der tragenden Säulen unseres Staatswesens und unserer Wirtschaft." Darin waren sich, besonders im Hinblick auf die aktuelle Wirtschaftskrise, alle Redner beim Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft einig.
Mit einem kraftvollen „Gott schütze das ehrsame Handwerk“ eröffnete der Handwerkerchor des Kreises Birkenfeld unter Leitung von Friedel Schmidt den traditionellen Jahresempfang der Kreishandwerkerschaft im Festsaal des Birkenfelder Schlosses. Rund 100 Gäste – Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Schulen und Banken – waren anwesend. Von einem verheißungsvollen „Morgenrot“ bis zum wehmütigen „Meer, das die Sonne auslöscht“ spannte der stimmgewaltige Handwerkerchor den Bogen seiner sieben vorgetragenen Lieder.
Und ähnlich weit – zwischen Hoffnung und Sorge nämlich – bewegten sich hinsichtlich der immer mehr auf die Realwirtschaft durchschlagenden Finanzkrise die Einschätzungen der drei Redner: Kreishandwerksmeister Eric Aulenbacher, Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner und Hausherr Landrat Axel Redmer.
Ausgehend von dem weltweiten Umsatzeinbruch in der Schmuck- und Edelsteinbranche sowie in der Automobilindustrie verwies Hauptredner Eric Aulenbacher auf das „eigenartigerweise“ immer noch günstige Konsumklima in Deutschland, obwohl der Indikator für die Konjunkturerwartungen auf den niedrigsten Wert seit 1991 gesunken sei. Lobende Worte fand Aulenbacher für die „Abwrackprämie“ für Automobile („leider nur für Privatpersonen“) und die von der EU geplante Senkung der Mehrwertsteuer für arbeitsintensive Dienstleistungen, die allerdings in Deutschland keine Anwendung findet.
Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und Entlastungen bei Steuer und Sozialabgaben seien, zitierte Aulenbacher den Handwerks-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer, die Hoffnungen, die mit dem Konjunkturpaket der Bundesregierung verbunden seien – bei einem gleichzeitig erwarteten Umsatzrückgang des deutschen Handwerks um mehr als ein Prozent.
Positiv hob Aulenbacher die regionalen Kreditinstitute hervor: Sie seien auf Grund ihrer Unternehmensstrategie nicht so von der Finanzkrise betroffen wie die Privatbanken. Sein Wunsch: gerade jetzt auf die Bedürfnisse des regionalen Handwerks zugeschnittene Finanzlösungen vorzuhalten, „damit wir gemeinsam die bevorstehenden Unwägbarkeiten meistern können“.
„Wir brauchen das Handwerk“, sagte die Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner in ihrem Grußwort. Ein starker Mittelstand bedeute Stabilität. In den Mittel- und Familienbetrieben herrsche glücklicherweise immer noch eine „gute Unternehmenskultur“. Froh sei sie über die regionalen Banken, die in ihrem Geschäftsverhalten der anderswo wuchernden Hybris nicht verfallen seien. Allerdings sorge sie sich wegen der enormen Staatsverschuldung: Durch eine wirksame Schuldenbremse müsse die Last für die kommenden Generationen reduziert werden.
Auch Landrat Axel Redmer charakterisierte den Mittelstand als „Mitte der Gesellschaft“, der deutlich mehr Beachtung finden müsse. Steuerentlastungen als Ausweg aus der Krise erteilte der Landrat eine Absage. Von Staat und Ländern könnten nicht immer mehr Leistungen bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen gefordert werden; stattdessen verwies Redmer auf die Anstrengungen bei der Einführung von Mindestlöhnen.
Bezogen auf den Kreis warnte Redmer vor zu großen Hoffnungen auf das Konjunkturpaket: Nur Großprojekte, handwerksübergreifend und großvolumig, könnten die erhoffte Wirkung bringen. Redmer zeigte sich angesichts der Struktur des Kreises – innovative und flexible Unternehmer, Familienbetriebe, stabile regionale Geldinstitute – optimistisch: „Ich glaube, wir könnten glimpflich aus der Situation kommen“, sagte er.
Fotos der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie.

















