Nachrichtenarchiv
Landesverbandstag Friseure Rheinland
16.10.2005 16:26:00
Im Mittelalter hießen sie Bader und Barbiere, haben auch Zähne gezogen und operiert. "Diese Zeiten sind zum Glück längst vorbei, heute zählen das Handwerk und ihre zweite Funktion, die fast schon eines Psychiaters gleichkommt." Hans Jürgen Machwirth spannte bei der Begrüßung der rund 40 Teilnehmer an der Herbstversammlung des Landesverbandes Friseure Rheinland am Sonntag im Parkhotel einen Bogen zur ebenfalls jahrhundertealten Tradition des Edelsteingewerbes.
Der für den Kreis Birkenfeld zuständige Innungsobermeister Günther Jung aus Baumholder hatte die Tagung vorbereitet. Im Kreis Birkenfeld gehören 43 Betriebe der Innung an, noch einmal so viele Betriebe existieren laut Kreishandwerkerschaft, die noch nicht organisiert sind.
In Arbeitsgruppen machten sich die Experten auch Gedanken über eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit. Dabei stand unter anderem die Frage im Vordergrund, wie der Friseurberuf noch attraktiver gestaltet werden kann, um potenzielle Auszubildende – im Friseurhandwerk wird überdurchschnittlich viel ausgebildet – dafür zu begeistern. Der Landesverband möchte auf diesem Weg dem demographischen Wandel begegnen. "Wir müssen davon ausgehen, das es in absehbarer Zeit auch in dieser Branche weniger Bewerber geben wird", fasste der Koblenzer Vorstandsvorsitzende Hans-Walter Reichle – übrigens ein gebürtiger Idar-Obersteiner – zusammen.
Es gibt kaum Menschen, die nicht gerne zum Friseur gehen: Auch bei der Bundestagsabgeordneten Julia Klöckner (CDU) ist das nicht anders. Und sie denkt dabei nicht nur über den neuen Haarschnitt oder eine andere Farbe nach, sondern als Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz auch über die Situation der Friseure, die mit der zunehmenden Bürokratie, die ihnen übergestülpt wird, aber durchaus ihre Probleme haben. Kritisch einerseits, aber auch durchaus zufrieden ob des kurzen Drahtes zur Landesregierung zeigte sich indes Reichle. "Wir sind zum Glück wieder von Platz B auf Platz A gerutscht, nicht zuletzt, weil wir so stark ausbilden."
Wichtig für das Friseurhandwerk ist die im Vorfeld heiß diskutierte Entscheidung, dass sich nur selbstständig machen darf, wer einen Meisterbrief besitzt. Ohnehin ein Problem ist das Thema "Schwarzarbeit".
Kreishandwerksmeister Eric Aulenbacher appellierte an Julia Klöckner, den Meisterbrief als Zugangsvoraussetzung zum Handwerk zu erhalten beziehungsweise wieder einzuführen. "Denn nur so werden Unternehmen geschafft, die das notwendige Rüstzeug haben, um am Markt dauerhaft bestehen zu können, und die sozialversicherungspflichtige Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen."
Und die neusten Trends? "Wir wollen in Zukunft wieder Trends setzen, die jedem Spaß machen, und die jedem stehen, nicht nur einer kleinen Gruppe", fasste Reichle zusammen. Die Kunden sollen beim Friseur eben mehr bekommen wie einen guten Haarschnitt: "Da lässt sich im Bereich Wellness sicher noch einiges tun", sind Reichle und die Friseure sicher, dass das Handwerk nicht nur goldenen Boden hat, sondern auch jede Menge Möglichkeiten bietet für ein noch besseres Lebensgefühl der Kunden.
Bilder des Verbandtstages können Sie hier sehen.














